Krasser Thriller jetzt auf DVD
Babycall: Heftiges Drama aus Norwegen

Meine Güte! Was für eine kranke…Geschichte! „Babycall“ ist mal wieder ein typischer Film aus dem Norden Europas: düster, befremdlich, packend, frostig-kalt! Jetzt auf DVD.

Was steckt hinter der traurigen Fassade? (Foto: NFP)

Was steckt hinter der traurigen Fassade? (Foto: NFP)

Anna (Noomi Rapace) möchte nichts weiter, als ein neues Leben mit ihrem Sohnemann Anders (Vetle Q. Werring) zu beginnen. Der 8-jährige Junge wurde von seinem Vater gequält. Jetzt suchen beide in einem x-beliebigen Wohnblock ihre Ruhe und einen ganz normalen Alltag. Doch das ist nicht leicht. Anna hat große Angst, Anders zu verlieren. Und so kauft sie ein Babyphone, das sie neben sein Bett stellt. Als eines Nachts der Lautsprecher seltsame Geräusche von sich gibt, wird sie skeptisch. Geschieht womöglich in der Nachbarschaft genau das, was sie selbst erlebten? Und da sind noch ein neuer Freund in der kleinen Familie sowie das Jugendamt, das damit droht, der gebeutelten Frau ihr Kind wegzunehmen…

Drama?

Eine kleine Liebesgeschichte? (Foto: NFP)

Eine kleine Liebesgeschichte? (Foto: NFP)

Es wäre fatal, zu viel von der Handlung zu verraten. Die hier beschriebene Einführung skizziert nur grob die Ereignisse, die gerade in der zweiten Hälfte regelrecht schockieren. Realität und Fiktion scheinen zu verschwimmen, das ist in der Tat verwirrend. Stellenweise fällt es schwer, die einzelnen Puzzleteile zusammen zu führen. Hier und da verliert sich „Babycall“ in Widersprüchen, die bis zum Schluss nicht geklärt werden. Aber: Das Ende ist noch einmal ein Schlag „ins Gesicht“ – fies und heftig. Da vergisst man gerne kleine Logik-Unzulänglichkeiten, auch dank der hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Noomi Rapace mimt absolut glaubwürdig die gestörte, deprimierte Mutter, die alles für ihren Sohn tut. Aber auch Kristoffer Joner als zurückhaltender Verkäufer, der unbedingt ein Auge auf Anna werfen musste, strahlt sehr viel Sympathie aus – und das in einer kalt wirkenden Welt.

Regisseur Pål Sletaune hat mit „Babycall“ fraglos einen unkonventionellen Thriller erschaffen, der als ruhiges Drama beginnt und in einem überraschenden Krimi mündest. Der „schleichende Prozess“ ist faszinierend und stimmig – klasse!

Auf DVD

Eurovideo und NFP sparten sich leider die Veröffentlichung einer Blu-ray, „Babycall“ gibt’s nur auf DVD. Die Bild- und Tonqualität ist sehr gut – von den prächtigen Kontrasten bis hin zu den sehr gut verständlichen Dialogen (Dolby Digital 5.1 Norwegisch und Deutsch). Lieblos dagegen ist der Rest: Abgesehen von einem Trailer und ein paar entfernten Szenen (Kauf-Version des Films) gibt’s keine weiteren Hintergründe oder Boni. Bedauerlich, hätte man doch auf gewisse Weise mehr über den Film und die Schauspieler erfahren.

„Babycall“ ist kein gewöhnlicher Film aus Norwegen. Zwar ist seine Herkunft unverkennbar, aber die Erzählweise, die überraschenden Wendungen, die klasse agierenden Darsteller – das Zusammenspiel ist ungewöhnlich und funktioniert wunderbar. Da sieht man gerne über Logiklücken hinweg. Wer eigenwilligen Filmen generell etwas abgewinnen kann, sollte sich „Babycall“ nicht entgehen lassen. Klingt nach einer Floskel? Ist aber so!

“Babycall” von Eurovideo und NFP ist ab dem 14. Februar 2013 auf DVD erhältlich.

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