'Code Name: Geronimo' auf DVD
Kein Cadillac, aber Osama Bin Laden

Gleich zwei aktuelle Filme erzählen von der Jagd nach Osama Bin Laden und wie der ehemalige Al-Qaida-Führer von einer Spezialeinheit der Navy Seals hingerichtet wurde. „Code Name: Geronimo“ ist der deutlich schwächere von beiden.

Anschleichen in Abbottabad.

Im Gegensatz zu Kathryn Bigelows oscarnominiertem CIA-Thriller „Zero Dark Thirty“ (Kinostart: 31. Januar) beschränkt sich die Fernsehproduktion „Code Name Geronimo“ lediglich auf die letzten Monate vor der gezielten Tötung des einst meistgesuchten Terroristen der Welt. Die weniger dokumentarisch als im Vergleichsfilm anmutende Handlung setzt hier im Januar 2011 ein und umreißt in losen, weitgehend sporadisch wirkenden Szenen die intensive Suche von CIA und Militär nach Osama Bin Laden. Eine wenig stichhaltige Beweislage für dessen Existenz in einem pakistanischen Wohnkomplex sorgt für Irritationen und Unsicherheit innerhalb der Behörde, während die speziell ausgebildeten Einheiten der Navy Seals (unter anderem gespielt von: Cam Gigandet, Freddy Rodríguez und Xzibit!) sich mental auf das risikoreiche Exekutionskommando vorbereiten. Fort- und Ausgang des Films liegen dabei auf der Hand, es fühlt sich als Zuschauer also ein bisschen so an, als würde man Gras beim Wachsen zusehen.

Es knallt: Kathryn Bigelow kann es besser als John Stockwell.

Als erster Spielfilm des US-Senders National Geographic gleicht „Code Name Geronimo“ ohnehin mehr einem Flickwerk. Eigentlich als Mischung aus Interviews und nachgestellten Spielszenen gedreht und ins Fernsehen gebracht, ist diese nun auf DVD und Blu-ray veränderte Version ein reiner Spielfilm. Archivaufnahmen und Gesprächssituationen wurden entfernt, Action-Momente und befremdliche Härten eingefügt. John Stockwell, Regisseur der beiden sonnendurchfluteten Strandfilme „Blue Crush” und „Into the Blue”, setzt dabei eher auf Genreklischees, als auf eine halbwegs politische Herangehensweise des durchaus kontroversen Themas. So verwendet er mehr Konzentration auf profane CIA-Interna und die wie üblich eher proletenhafte Welt landestreuer Soldaten, zwischen denen er willkürlich hin und her schneidet. Den Ermittlern und Einsatzkräften sollen zudem mit Privatgeschichten Konturen verliehen werden, doch insbesondere Momente, in denen sie mit Familienangehörigen skypen, wirken banal und das eigentliche Thema vollständig verschleiernd.

Denn „Code Name Geronimo“ stellt die Mission oder den Sinn des „Krieges gegen den Terror“ noch weniger in Frage als der ebenso betont verhaltene „Zero Dark Thirty“. Im mangelnden Bewusstsein seiner einseitigen US-Perspektive haucht er der Planung und Durchführung eines Exekutionskommandos Leben ein, ohne dabei eine halbwegs relevante oder gar kritische Position einzunehmen. Stattdessen versteift er sich sogar in eine geschmacklose Nachstellung der zum großen Finale aufgeblasenen Stürmung des Hauses und inszeniert den Kopfschuss Bin Ladens ansprechend in Großaufnahme. Ein Film, der mit entsprechender Symbolkraft augenscheinlich ans patriotische Bewusstsein gerichtet scheint und dabei vor allem fürchterlich langweilt. Insbesondere die dauerhaft eingeblendeten Ego-Shooter-Aufnahmen der Soldatenhelm-Kameras verraten „Code Name Geronimo“ letztlich als gedankenlosen, durch und durch unnötigen Beitrag eines US-Kinos, das seine Wunden nur lecken, nicht aber heilen möchte.

Auf Blu-ray

Die Bild- und Tonqualität der Blu-ray ist weitgehend zufrieden stellend. Der glasklare DTS-HD-5.1.-Ton in Deutsch und Englisch lässt keine Wünsche offen (auch wenn das bei einem solchen Film eher zweitrangig ist), das Bild hingegen schwankt zwischen extrem scharf und manchmal arg glatt und weich, was bei einem digital gedrehten Fernsehfilm nicht weiter verwundert. Als Extra gibt es lediglich ein knapp 17minütiges Making-Of, das sich in Oberflächlichkeiten ergeht. Deutsche Untertitel erleichtern den Originalton, auf den manche wegen der lausigen Synchronisation beherzt zurückgreifen dürften.

Ego-Shooter ohne Interaktion:

„Code Name Geronimo“ von Falcom Media ist ab dem 25. Januar 2013 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

Ähnliche Artikel
 1 2 3 4
Young Ones: Wilder Westen in der staubtrockenen Zukunft
Dystopie, Endzeit, dramatische Ereignisse – der Stoff,…

WolfCop: Schräger Horror-Trash alter Schule
„WolfCop“ ist wie eine Reise zurück in eine Zeit, in…

Der Hobbit - Smaugs Einöde Extended Edition: Bilbos Ausflug kommt…
Alle Jahre wieder kommt einer von Peter Jacksons…

Fullmetal Alchemist - Brotherhood: Teil 1 des grandiosen Epos auf…
Selten gelingt einem Anime die Mischung aus Drama, Humor…

Varg Veum - Krimi aus Norwegen
An Varg Veum kommt man als Krimifan nicht (mehr) vorbei.…

Con Game: Harte Action aus Südafrika
Raue Gewalt aus Südafrika. „Con Game“  ist…