Messertricks
The Garden of Sinners: Psychologischer Horror mit Längen

Jetzt wird es mysteriös. „The Garden of Sinners“ geht trotz des provokanten Titels in eine ganz andere Richtung als man denken mag. Bei der siebenteiligen Animeserie handelt es sich nämlich um einen Mix, der sich einer Genreklassifizierung komplett entzieht.


Basierend auf einer Visual Novel (ein interaktiver Roman für den PC) der japanischen Kultschmiede Type Moon veröffentlicht Kazé Anime die sieben Kinofilme zum ersten Mal auf Blu-ray. Die einzelnen Teile sind bereits auf DVD erhältlich, die hochauflösenden Versionen flattern dagegen gesammelt in einem edlen (und ziemlich hohen) Mediabook ins Haus. Neben drei Blu-rays mit jeweils zwei bis drei Filmen beinhaltet das Set ebenfalls eine Soundtrack CD pro Film und einige Artworks im Überformat.

Die Suche nach der Reihenfolge

Die Geschichte der Filme schlüssig wiederzugeben würde an dieser Stelle viel zu viel verraten. „Garden of Sinners“ wird nicht chronologisch erzählt und macht umso mehr Spaß, wenn relevante Informationen erst langsam in das Gesamtbild eingefügt werden. Der erste Film „Thanatos“ ist im Grunde genommen eine eigenständige Geschichte, bildet chronologisch gesehen aber erst das vierte Kapitel: Eine Reihe von Selbstmorden junger Mädchen gibt der Polizei Rätsel auf. Die Opfer kannten sich nicht, haben keine Gemeinsamkeiten und wohnen in vollkommen unterschiedlichen Stadtteilen. Trotzdem stürzten sich alle vom selben Gebäude und ein Ende der Selbstmorde ist nicht Sicht. Angeblich ist das Gebäude verflucht, was die beiden Freundinnen Shiki und Toko für ein Gerücht halten. Als ihr Freund Mikiya in einen Tiefschlaf fällt, sieht sich die seltsame Shiki dazu gezwungen, das mysteriöse Gebäude näher unter die Lupe zu nehmen.

Der zweite Film „Mordverdacht Teil 1“ springt von 1998 aus drei Jahre zurück und erzählt, wie sich Shiki und Mikiya kennenlernten. Da es sich zeitlich um den ersten Kontakt der beiden handelt, ist Film Nummer zwei der eigentlich erste Teil. Einige der Dinge, die in „Thanatos“ nur angedeutet wurden bzw. die Shiki ohne nähere Erklärung einfach konnte, werden näher beleuchtet und ein erster Einblick in das, was Shiki überhaupt ist, gewährt. Richtig fahrt nimmt die Handlung allerdings erst im dritten Film auf, da hier zum ersten Mal ein richtiger Konflikt angedeutet wird.

Ganz spezielles Kino

„The Garden of Sinners“ hat zumindest als Visual Novel Kultstatus erreicht. Die Verfilmung ist ebenfalls sehr gut gelungen, allerdings ein sehr spezieller Anime geworden. Die Stimmung ist in jedem der Filme bedrohlich und die Musik von Anime-Veteranin Yuki Kajiura schafft eine hervorragende Atmosphäre, doch werden Neueinsteiger zwei Filme abwarten müssen, bis die richtig großen Dinge passieren. „Thanatos“ und „Mordverdacht Teil 1“ strapazieren mit jeweils knapp einer Stunde nicht wirklich die Geduld des Zuschauers, im Vergleich zu dem was mit „Verbliebener Sinn für Schmerz“ losgetreten wird, sind die ersten beiden Teile aber recht harmlos. „The Garden of Sinners“ wird im späteren Verlauf nämlich zu einer ziemlich brutalen Filmreihe, die auch nicht vor Horror, Sex und verdrehten Psychospielchen zurückschreckt. Wegen des langsamen Starts und seiner sehr speziellen Art gibt es von uns 3 Punkte. Wer sich gerne auf filmische Experimente einlässt und nicht andauernd Action braucht, kann locker einen Punkt draufsetzen.

Die sieben Filme zu „The Garden of Sinners“ sind einzeln auf DVD und als Gesamtausgabe auf Blu-ray erhältlich.

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