'Poliezei' auf DVD
Nervöse Cops in Paris

Die französische Regisseurin Maïwenn Le Besco erzählt in ihrem Ensemblefilm vom hektischen Tagesgeschäft einer Polizei-Einheit für Jugendschutz in Paris.

Regisseurin Maïwenn Le Besco (2. v. li.) spielt auch mit.

Die Opfer: Babys, Minderjährige, Kinder, die der Onkel „zu lieb“ hat, sexuell missbraucht, geschlagen, malträtiert. Die Pariser Spezialeinheit für Jugendschutz bekommt täglich Fälle auf den Tisch, die hart zu ertragen sind. Regisseurin/Schauspielerin Maïwenn Le Besco beschreibt in ihrem dokumentarischen Spielfilm den Alltag dieser Polizisten mit schonungsloser Offenheit. Sie wählt dazu eine naturalistische Perspektive, gleich wie die hoch gelobte und vom ZDF produzierte TV-Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“. Unterschiedliche Ebenen und Erzählstränge verdichten sich zu einer Gesamthandlung, einzelne Fälle oder Figuren werden nur angerissen, ihre Geschichten bleiben ohne Ende, andere werden zur Gänze auserzählt. Dazu kommt eine wackelige Kamera, die durch den Raum führt, als würde jemand im Team mitfilmen.

Polizistin Nadine (Karin Viard) im Einsatz.

Während die Geschichten der Opfer – manchmal etwas oberflächlich – vorgeführt werden, taucht die Handlung bei den privaten Geschichten der Polizisten tiefer ein. Der Zuschauer erlebt die französischen Cops bei Eheproblemen, Alkoholismus, Verliebtheiten sowie Scheidungen, mit einem Diät-Wahn oder beim gemeinsamen Scharade Spielen.

Mit dieser hippen Aufbereitung könnte man erwarten, dass der Film den Zuschauer emotional packt. Aber das fertige Ergebnis lässt einen ziemlich kalt. Zum einen kochen die Polizistinnen und Polizisten in jeder Szene über, hanteln sich von Nervenzusammenbruch zu Nervenzusammenbruch. Das zwei Stunden lang zu beobachten ist anstrengend, weil es bereits nach den ersten 30 Minuten ermüdet. Vieles wirkt wie für das Fernsehen produziert – hier kommt wieder der deutsche „KDD“ ins Spiel – und über allem liegt der Geruch eines Improvisationsworkshops für Schauspieler. Aufgabenstellung: Gestresste Polizisten, die permanent aufeinander einbrüllen müssen.

Andererseits kann man die künstlerischen Überlegungen dazu nachvollziehen. Täglich mit misshandelten Kindern zu tun zu haben, ist ein grausames Geschäft, so grausam, dass es das private Leben der Polizeitruppe zerstören kann. Der Beruf lässt sich nach Feierabend nicht einfach abschalten. Leider baut Maïwenn Le Besco ihren Film nicht auf dieser Basis auf, sondern bleibt im kitschigen Arrangement stecken. Hier kriegt der Film eine selbstverliebte Note, die angesichts der Thematik sogar ungustiös wirkt. „Poliezei“ ist zwar gut gemeint, beutet das Thema aber für ein billiges Drama aus.





Polizeifilm:

„Poliezei“
(Frankreich 2011)
Regie: Maïwenn Le Besco
mit: Karin Viard, Joey Starr, Marina Foïs, Frédéric Pierrot, Maïwenn Le Besco, Arnaud Henriet, Jérémie Elkaim, JoeyStarr u.v.m.

Erhältlich als DVD und Blu-ray

www.poliezei-film.de

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