Packendes Drama jetzt auf Blu-ray und DVD
Kriegerin: Neonazis in Ostdeutschland

Bedrückend, beängstigend, abstoßend…faszinierend. „Kriegerin“ ist eine schlimme „Sozialstudie“ über junge Menschen in der rechtsradikalen Szene. Aber nicht frei von Klischees. Jetzt auf Blu-ray und DVD.

Will sie ein normales Leben führen? (Foto: Ascot Elite)

Will sie ein normales Leben führen? (Foto: Ascot Elite)

Sie ist unglaublich brutal, eiskalt und zögert nicht, gemeinsam mit ihrer Clique auf ausländische Menschen einzuschlagen. Die 20-jährige Marisa (Alin Leyshin) wohnt irgendwo in Ostdeutschland auf dem Dorf und ist in die rechtsradikale Szene gerutscht. Dort fühlt sie sich wohl, anerkannt und von ihrem muskellösen Neonazi-Macker Sandro (Gerdy Zint) geliebt. Plötzlich ändert sich alles schlagartig: Ihr Freund kommt in den Knast und sie überfährt absichtlich zwei Flüchtlinge aus Afghanistan, die mit dem Moped auf dem Weg ins Asylantenheim waren. Gewissensbisse? Angst? Das eigene Leben in Frage stellen? Wie geht es weiter? Und da ist noch das junge Mädel Svenja (Jella Haase), die sich bei den harten Jungs und der mit Nazisymbolen tätowierten Marisa anbiedert. Dann eskalieren anfangs klein erscheinende Streitigkeiten, die kein gutes Ende nehmen können….

Harter Tobak!

Glücklich sind die Figuren zu keiner Zeit. (Foto: Ascot Elite)

Glücklich sind die Figuren zu keiner Zeit. (Foto: Ascot Elite)

Autor und Regisseur David Wnendt erschuf mit „Kriegerin“ ein wirklich furchtbares Drama über Neonazis in der ostdeutschen Provinz. Die Jugendlichen hauen einfach zu und machen sich keine Gedanken über mögliche Konsequenzen. Aber auch in dem winzigen Mikrokosmos der Mädchen und Jungen bewegt sich etwas. Ist der eingeschlagene Weg der richtige? Wie soll eine Zukunft in diesem Moloch aussehen? Vor allem Alina Leyshin beeindruckend mit ihren schauspielerischen Leistungen. Wie sie die die junge Marisa mimt – einfach fantastisch, stark, fulminant! Dass sich Wnendt zudem für Laiendarsteller entschied, sorgt für Authentizität und hebt das kompromisslos inszenierte Drama an.

Aber: Gerade zum Schluss offenbaren sich die Klischees. In erster Linie sind die Eltern dafür verantwortlich, dass ihr Nachwuchs zu rechtsradikalen, rücksichtslosen, fremdenfeindlichen Menschen werden. Die eine kommt aus gutem Hause und will aus der strengen Erziehung ausbrechen, der andere möchte nicht so sein wie sein Vater, der sich selbst Marxist nennt. Und Marisa wurde von ihrem nationalsozialistischem Großvater groß gezogen, da ihre Eltern nicht in der Lage dazu waren. Ihre Mutter wurde schließlich missbraucht. Diese Hintergründe sind genau die, mit denen der Zuschauer rechnet. „Kriegerin“ pauschalisiert zu sehr die Ursprünge für die Perspektivlosigkeit und geht im Grunde genommen gar nicht auf die zwischenmenschlichen Beziehungen ein. Wie kommt Marisa in die Gruppe? Warum entschied sie sich für den Rechtsextremismus? Viele Fragen bleiben offen, und manche Aspekte – beispielsweise das Verhältnis zwischen Marisa und ihren ausländischen Opfern – wirken arg konstruiert und kaum nachvollziehbar.

Dennoch muss man sagen: Abseits dieser Oberflächlichkeit und Neonazi-Stereotypen hat man die letzten Jahre kaum einen tragischeren deutschen Film über dieses Thema gesehen. Wnendt kaschiert die Drehbuchschwächen, die etwas zu sehr Richtung Fernsehfilm tendieren, mit harten Situationen, die die eigenen Nerven belasten und Angst bereiten. Und da ist diese gewisse Faszination: „Kriegerin“ ist schmerzvoll, aber zugleich verdammt intensiv und dadurch so sehenswert!

Auf Blu-ray

Die Blu-ray stellt in jedem Bereich – auch in Anbetracht der Tatsache, dass es sich hierbei um kein Actionfeuerwerk handelt – zufrieden. Das Bild gibt sich farb- und kontrastreich, auch die Schwarzwerte sind überzeugend. Der Ton liegt in DTS-HD 5.1 Master Audio vor und punktet mit prima verständlichen Dialogen. Gerade das ist oftmals ein Problem deutscher Filme. An Boni legten die Verantwortlichen ein aufschlussreiches Making-Of, Unterrichtsmaterial (PC), Interviews und einen Behind the Scenes-Spot dazu.

„Kriegerin“ zu schauen, ist kein Spaß. Hier geht es um Rassenhass, plumpe Gewalt und Spaß an Aggression sowie Provokation. Wie Jugendliche in die rechte Szene rutschen, mag nicht zu voller Zufriedenheit erläutert werden, dafür aber glänzen die Schauspieler mit ihrer Glaubwürdigkeit. Sie tragen das Problem, das es zweifelsohne in Ostdeutschland gibt, gekonnt zum Zuschauer. Das zu sehen, erzeugt ein unwohles Gefühl, ja durchaus Bestürzung. „Kriegerin“ bleibt durch diese Intensität im Gedächtnis. Lange Zeit! Und genau dies macht das Werk trotz der Makel zu einer großen Empfehlung – nicht nur für Freunde des deutschen Kinos.

“Kriegerin” von Ascot Elite ist ab dem 9. Oktober auf Blu-ray und DVD erhältlich.

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