12-teilige Serie jetzt auf Blu-ray und DVD
Titanic – Blood & Steel: Dramatische Vorgeschichte

Dass die Titanic vor 100 Jahren auf tragische Weise sank, ist allseits bekannt. Doch mit welchen Herausforderungen hatten die Verantwortlichen bei dem Bau des damals größten Luxusliners zu kämpfen? Das verdeutlicht auf fesselnde Art und Weise der 12-Teiler „Titanic: Blood & Steel“. Jetzt auf Blu-ray und DVD.

Ein junger Metallurge auf der Seite der Arbeiter?! (Foto: Studiocanal)

Ein junger Metallurge auf der Seite der Arbeiter?! (Foto: Studiocanal)

Drei Jahre vor dem Auslauf der Titanic beginnen die fast schon größenwahnsinnigen Arbeiten an dem riesigen Schiff. Der junge Metallurge Mark Muir (Kevin Zegers) nimmt einen Job bei den Harland & Wolff Docks in Belfast an, um dort seinen Teil beizutragen. Er möchte mit seinem Wissen ein stabileres, besseres Schiff mitgestalten. Besonders positiv wird er von seinen neuen Kollegen zwar nicht angenommen, aber er erhält Unterstützung von Lord Pirrie (Derek Jacobi), dem Vorsitzenden der Werft, in der die Titanic entsteht. Parallel dazu macht sich Unmut bei den Arbeitern breit. Sie werden ausgebeutet, schlecht behandelt und daran gehindert, eine Gewerkschaft zu gründen und für ihre Rechte zu kämpfen. Das lässt den Wissenschaftler Muir keinesfalls kalt, auch weil er ein Auge auf die Zeichnerin Sofia Silvestri (Alessandra Mastronardi) geworfen hat. Und die gehört eigentlich einer anderen Gesellschaftsschicht an…

Komplex und tiefgründig

Der Arbeiter proben den Aufstand. (Foto: Studiocanal)

Der Arbeiter proben den Aufstand. (Foto: Studiocanal)

Den vollen Charme entwickelt die Fernsehserie im Verlauf der ersten fünf Folgen. Denn „Titanic: Blood & Steel“ beginnt sperrig und mit dem Einführen zahlreicher Charaktere, deren Motive zögerlich vermittelt werden. Welche Bedeutung letztlich zum Beispiel der Gewerkschaftsführer Jim (Liam Cunningham) oder die Journalistin Joanna (Neve Cambell) besitzen? Das erfährt man von Episode zu Episode. Letztlich ist das auch gut so, denn die Reihe ist erstaunlich vielschichtig und komplex. Gerade das Aufgreifen damals relevanter Probleme, darunter den Klassenkampf, die unterschiedlichen religiösen Anschauungen in Irland, die technischen Schwierigkeiten beim Bau der Titanic oder auch die Differenzen zwischen den armen und reichen Menschen erzeugt Spannung und verdeutlicht, dass sich die Autoren sehr viele Gedanken gemacht haben. Gerade zum Ende hin bahnt sich das Unvermeidliche an, das das Drama imposant verdeutlicht.

Es muss betont werden: „Blood & Steel“ erzählt sozusagen die Vorgeschichte, die zwar fiktiv ist, sich aber an realen Ereignissen orientiert. Den bedrückenden Untergang des Schiffes sollte hier niemand erwarten. Vielmehr stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen, der Alltag der Beteiligten sowie die eigentliche Konstruktion der Titanic im Fokus der Serie. Besonders gut gelungen sind die Verhältnisse zwischen den Figuren und die teils krassen Schnitte zwischen der Unterschicht und dem dekadenten Wohlstand. Während die einen nicht einmal eine Versicherung bei Unfällen besitzen, baden die anderen im Luxus. Übel.

Alles in allem ist „Blood & Steel“ trotz des behäbigen Starts eine ausgesprochen interessante Serie, die spätestens in der zweiten Hälfte ordentlich an Fahrt gewinnt und genügend Spannung erzeugen kann. Dazu gesellen sich recht professionelle Special-Effects aus dem Computer, die die Titanic vor ihrem Auslauf sozusagen in ihren Einzelteilen zeigen. Und nicht zu vergessen: Nicht nur die namhaften Schauspieler geben sich sehr überzeugend, sondern auch die zahlreichen unbekannten Darsteller. Dazu gibt’s authentische Kulissen, denen man glücklicherweise nur selten ihre fehlende Wertigkeit ansieht.

Auf Blu-ray

„Titanic: Blood & Steel“ wurde auf drei Blu-rays verteilt, hübsche Menüs gibt’s auf keiner der Disks. Schade. Zusätzlich mangelt es an Bonusmaterial, abgesehen von einem kurzen Making-Of ist nichts von weiterer Relevanz. Gerade bei diesem historischen Hintergrund hätte es ruhig mehr sein können. Dafür stellt die technische Seite zufrieden: Das Bild weist keine gravierenden Schwächen auf, die seltene Grobkörnigkeit kann getrost ignoriert werden. Sonst dominieren satte und kühle Farben sowie angemessene Kontraste. Der Ton liegt in DTS HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Englisch) vor und punktet mit einer sehr guten Verständlichkeit der Dialoge. Leider hapert es bei der deutschen Synchronisation – nicht alle Personen erhielten professionelle Sprecher. Wer kann und mag, sollte sich für das englische Original entscheiden.

Wer „Titanic: Blood & Steel“ im Fernsehen verpasst hat, sich aber für das grundlegende Thema interessiert, sollte sich die Blu-ray zulegen. Sowohl die Serie als auch die technische Qualität können überzeugen und bis zum Schluss niveauvoll unterhalten. Einstellen sollte man sich aber auf ein dezent gesellschaftskritisches Werk mit sehr vielen politischen Anspielungen, durch die die Titanic gelegentlich in den Hintergrund rückt. Sie dient mehr als Aufhänger, um eine anspruchsvolle Geschichte zu erzählen. Kann man sich dafür begeistern, lohnt der Kauf in jedem Fall!

“Titanic: Blood & Steel” von Studiocanal ist ab dem 20. September 2012 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

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