Daily Soap und Freizeitclub
Rule Britannia: Die besten Serien aus England (Teil 2)

Wir schauen wieder über die Grenzen Deutschlands hinaus und haben fünf britische Fernseh-Empfehlungen im Gepäck, die sich kein der Sprache mächtiger Serienjunkie entgehen lassen darf.


Im zweiten Teil unseres englischen TV-Serien Specials wird es etwas alternativer. Wir präsentieren: Misanthropen, vom Teufel besessene 80er Jahre-Krankenhäuser und die seltsamste Daily Soap der Welt.

Darkplace

Wer erinnert sich noch an die großen Serien der 80er? Turmhohe Fönfrisuren und Schulterpolster galten als ganz besonders stylisch und Männer durften noch echte Männer sein. Und wer hat schon einmal was von Garth Merenghi gehört? Keiner? Dabei ist er doch der genialste Horror-Autor aller Zeiten. Zumindest nach seiner eigenen Aussage. In den 1980ern wurde sein Buch „Darkplace“ in eine Serie umgesetzt, die kaputter nicht sein könnte. Alle Darsteller sind mies, die Special Effects komplett schlecht selbstgemacht und von Schnitt- und Anschlussfehlern fangen wir hier gar nicht erst an. Das Geniale: Die Fehler sind absichtlich eingebaut worden. Garth Merenghi ist nämlich das Alter Ego des britischen Komödianten Matthew Holness, der mit der Serie die coolen Serien der 80er und Autoren mit Riesenegos auf die Schippe nimmt. In jeder Folge ist das Krankenhaus, in dem der von Holness selbst gespielte Dr. Rick Dagless arbeitet, von einer anderen Artübernatürlichem Horror besessen, das er mit einer 200 Schuss-Pistole und seinen laienhaften Kollegen besiegen muss.

Black Books

Was last sich über das seltsamsteTrio England groß sagen? Bernhard Black besitzt einen siffigen Buchladen und hasst Menschen. Regelmäßig treibt er seine Kundschaft in den Wahnsinn oder alle zusammen mit einem Besen und Megafon aus seinem Geschäft. Manny arbeitet für Bernhard, ist aber aufgeschlossen und sehr enthusiastisch Kunden gegenüber. Leider ist er nicht besonders helle und ziemlich naiv, was regelmäßig zu Zoff zwischen beiden führt. Und dann wäre da noch Fran, die komplett verpeilte Nachbarin und einzige Freundin Bernhards. Zusammen schlittern die von Bernhard-Darsteller Dylan Moran geschriebenen Figuren in äußerst abgedrehte Situationen, die „Black Books“ zu Recht zu einer besten Comedyserien Englands gemacht hat.

Phoenix Nights

Peter Kay ist jedem englischen Comedy-Liebhaber ein Begriff. In „Phoenix Nights“ verschreibt er sich ganz dem konservativen Teil der Arbeiterklasse und einem Freizeitclub, der der Lebensinhalt seines im Rollstuhl sitzenden Besitzers Brian Potter (von Peter Kay selbst gespielt) ist. Das Problem dabei ist, dass Brian sich und seinen Club für das Zentrum des Universums hält und ihm einfach nichts gut genug ist. Heraus kommt dabei eine bizarre Mischung aus Egotrip, genial böser Comedy und einer großen Portion Hartz IV-Fernsehen. Egal ob sich Brian ungewollt eine rassistische Folkband auf die Bühne holt oder eine harmlose Hüpfburg durch einen ungünstigen Zufall in einen Riesenpenis verwandelt wird, „Phoenix Nights“ ist in jeder der zwölf Folgen treffsicher.

The League of Genlemen

Bevor Mister Jelly mit seiner Hakenhand auf große Tour gehen durfte, sorgte das Comedy Quartet der League of Gentlemen mit einer anderen Serie für Furore. Als sich 1999 das fiktive Städtchen Royston Vasey ins Abendprogramm schlich, dauerte es nur kurze Zeit, bis sich die Serie eine bis heute begeisterte Fangemeinde aufbauen konnte. Das Geheimnis war der Mix in der Serie, der bis heute nicht erfolgreich kopiert werden konnte. Drei der vier Autoren spielen so ziemlich jeden Charakter der beschaulichen Kleinstadt, in der sich Daily Soap, Comedy und handfeste Horrorsegmente fliegend abwechseln. Durch das wiederholte Auftreten von den Charakteren ergibt sich sogar so etwas wie eine durchgängige Handlung, die in der dritten Staffel ihren Höhepunkt und fantastischen Abschluss findet. Wer sich „League of Gentlemen“ entgehen lässt, verpasst nicht nur eine hervorragende Serie, sondern auch eine einmalige Fernseherfahrung!

The Mighty Boosh

„The Mighty Boosh“ kann man recht einfach als den alternativsten Titel dieser ohnehin schon bizarren Liste bezeichnen. Drei Staffeln lang haben sich Glamorkönig Vince Noir und Loser Howard Moon durch die abgefahrensten Stories geschlagen und dabei noch einige Live Auftritte absolviert. Was „The Mighty Boosh“ eigentlich ist, ist schwer zu beschreiben. In der ersten Staffel arbeitet das ungleiche Duo in einem Zoo, in der zweiten und dritten leben sie zusammen mit dem sprechenden Affen Bollo und Wahrsager Naboo in einer WG. Dabei erschaffen die beiden Autoren Julian Barratt und Noel Fielding ein komplett abgedrehtes Universum, in dem u.a. ein komplett bekiffter Mond über das Leben philosophiert, Ninjas dafür sorgen, dass Vince rechtzeitig seine Fashion-Magazine bekommt und ein sprechender Oktopus ein paar Druiden anführt. Klingt seltsam? Ist es auch, dafür aber schon wieder so abgedreht, dass es wahnsinnig kreativ ist. Die Kulissen und Kostüme werden dabei bewusst selbst gebastelt und bestechen eher durch individuelle Kreativität als wirklich hübsch zu sein. „The Mighty Boosh“ lohnt sich vor allem dann, wenn man meint, schon alles gesehen zu haben. Anfangs ist die Serie etwas sperrig, wer sich aber einen Zugang zu den Geschichten erarbeitet, wird sie nie wieder vergessen.

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