Eisiges Drama mit Wölfen jetzt auf Blu-ray und DVD
The Grey – Unter Wölfen: Frostiger Überlebenskampf

Eisige Kälte. Ein Flugzeugabsturz. Bösartige Wölfe. Ein dramatischer Überlebenskampf. Liam Neeson. Tote Menschen. „The Grey – Unter Wölfen“ – jetzt auf Blu-ray und DVD.

Liam in eisiger Kälte. (Foto: Universum Film)

Liam in eisiger Kälte. (Foto: Universum Film)

John Ottways (Liam Neeson) Job ist es, in Alaska die Mitarbeiter eines Ölunternehmens zu beschützen. Mit einem Scharfschützengewehr erlegt er Wölfe, die sonst die Zivilisten angreifen und vielleicht sogar töten würden. Es soll sein letzter Job werden, obwohl ihn in der Heimat nichts mehr erwartet. Seine Frau? Was ist mit seiner Frau? Das rückt vorerst in den Hintergrund, denn auf der Rückreise in die Staaten stürzt das Flugzeug mitten in der frostigen Wildnis ab. Einige Insassen überleben, vorrangig Kollegen, die John zuvor noch beschützte. Doch jetzt beginnt der Kampf – ums nackte Überleben. Denn wieder sind es bösartige Wölfe, die die restlichen Männer verfolgen. Die Jagd beginnt! Ob es der kleine Trupp schafft, die Zivilisation zu erreichen, bevor die gefährlichen Rudeltiere alle aufgefressen haben?

Mystery?

Schön, aber gefährlich. (Foto: Universum Film)

Schön, aber gefährlich. (Foto: Universum Film)

Was haben sich die Drehbuchautoren von „The Grey“ nur gedacht? Sie stellen die Wölfe als eiskalte Bestien dar – was zur fast kompletten Ausrottung der Waldbewohner Nordamerikas und Europas vor Jahrhunderten sorgte. Das Pseudo-Wissen, das der Charakter John Ottway über die wilden Tiere dem Zuschauer vermittelt, wurde bereits längst als Mumpitz wissenschaftlich belegt. Das wäre an sich kein Problem, würde Regisseur Joe Carnaham nicht mit aller Gewalt versuchen, den Verlauf möglichst realistisch zu gestalten. Wäre „The Grey“ ein Fantasy-Film – niemand würde sich darüber wundern, dass die Wölfe Killer sind, ihre Augen in der Dunkelheit leuchten und sie nur darauf warten, „Einbrecher“ in ihr Revier bestialisch zu zerteilen. Weil sie es können.  Dass die Realität ganz anders aussieht, dürfte allseits bekannt sein. Doch hier werden Mythen und Legenden hervorgekramt, um „The Grey“ Spannung und Brutalität zu spendieren. Vielleicht hätte sich Carnaham noch für ein Rotkäppchen entscheiden sollen?

Abseits dieser grundlegend falschen Darstellung der Wölfe und ihr Leben kann „The Grey“ weitere Defizite nicht verbergen. Nach und nach sterben die weitgehend unsympathischen und sehr blassen Charaktere – und einem ist das auch noch total egal. Mit den Figuren möchte man keine Beziehung aufbauen, zudem werden noch künstliche Konflikte inszeniert, die in einer solch dramatischen Situation alles andere als authentisch sind. Liam Neesons Rolle kann kaum überzeugen, die Rückblenden mit seiner geliebten Frau wirken überflüssig und wecken keine Emotionen. Einzig und allein die sensationellen Schauplätze mitten im Eis irgendwo in Alaska sorgen für eine dicke Portion Atmosphäre, die eine oder andere Action-Szene ebenfalls. Carnaham wäre vielleicht besser beraten gewesen, hätte er den Kampf zwischen Mensch und Natur mehr in den Vordergrund gestellt und nicht ängstliche, intelligente Tiere als „Feinde“ gewählt. Das wirkt ohnehin aufgesetzt und diente sichtlich dazu, den Film zu strecken. Dumm nur, dass trotzdem sehr viele Längen nicht wirklich für eine zufriedenstellende Unterhaltung sorgt.

„The Grey“ ist schlussendlich ein Action-Drama mit einer lächerlichen Wolf-Komponente und „zehn kleinen Negerlein“, denen man nicht hinterher trauert, wenn sie mit der Zeit ableben.

Auf Blu-ray

Technisch gibt es an der Blu-ray von „The Grey“ nichts auszusetzen. In HD sehen die Eislandschaften hervorragend aus. Detail- und sehr kontrastreich sowie farbintensiv gibt sich das Gebotene, der Schwarzwert bei dunklen Szenen gibt keinerlei Grund zur Klage. Prima! Der Ton in DTS-HD 5.1 (Englisch, Deutsch)  bietet stimmungsvollen, aber nicht übertriebenen Surround-Sound. An Boni legte Universum Film diverse Featurette-Videos, Interviews, entfernte Szenen und ein B-Roll-Spot dazu. Das genügt locker für rund 30 Minuten Hintergrundinfos abseits des Films.

Das Potential war wieder einmal groß, das Resultat stellt nicht zufrieden. Vorurteile aus der historischen Mottenkiste, irrational agierende Figuren, unnötige Längen – für wen soll „The Grey“ also eine Empfehlung sein? Große Liam Neeson-Fans freuen sich über einen routiniert auftretenden Schauspieler, der zwar Härte, doch in keiner Weise überzeugende Gefühle zeigen kann. Und auch die tollen Naturaufnahmen sind im Grunde eine Augenweide. Doch diese beiden Punkte genügen nicht für eine Kaufempfehlung – und das liegt nicht einzig und allein an der Darstellung der Vorfahren unserer Haushunde.

“The Grey” von Universum Film ist ab dem 21. September 2012 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

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