Das 1x1 der Tricktechnik
Marvel’s The Avengers: Ein Blick hinter die Kulissen

Kurz vor dem Verkaufsstart von Joss Whedons Mega-Blockbuster „The Avengers“ werfen wir einen näheren Blick auf die Entstehung der finalen Schlacht im Film und die Wiedergeburt eines grünen Kolosses.


Was wäre ein Superheldenfilm ohne Spezialeffekte? Im Falle von Marvel’s Avengers würde nicht besonders viel übrig bleiben. Grund genug für uns, ein paar interessante Fakten zu den beiden größten Herausforderungen des Spezialeffekt-Teams auszugraben.

200 Explosionen, 500 Kilo Sprengstoff

Für das letzte Viertel der Produktion zogen Cast und Crew von „The Avengers“ nach Cleveland, Ohio, wo nichts Geringeres als die größte eines an großen Actionszenen reichen Filmes eingefangen werden sollte. Laut Drehbuch wird New York City im Finale von unbekannten, bösartigen Kräften attackiert – kulminierend mit einer Schockwelle von Explosionen auf der 42nd Street, im Herzen Manhattans. Vier Wochen lang präparierte die Crew dafür das architektonische Double: die East 9th Street in Downtown Cleveland.

„Als wir unseren Plan den Behörden von Cleveland präsentierten“, sagt der Produzent, „brachten wir ein tricktechnisch bearbeitetes Foto mit, das die geplante Verwüstung zeigte. Die kollektive Reaktion im Raum war Stille. Und dann nur ein Wort: ,Wow‘. Doch wir führten die Verantwortlichen Schritt für Schritt durch unseren Plan und erklärten genau, wie wir Straßen und Fassaden schützen würden. Sie waren vom ersten Tag an sehr kooperativ.“

Zunächst hatte Produktionsdesigner James Chinlund alle Hände voll damit zu tun, Cleveland mit präzisem Set Dressing in eine exakte Replik von Manhattans 42nd Street zu verwandeln. Für Wochen waren die langwierigen Umbauten Stadtgespräch und zogen Tausende von Schaulustigen an. „Wir wollten so wenig Spezialeffekte wie möglich einsetzen“, beschreibt Produzent Kevin Feige, „weil reale Gebäude, Autos oder andere greifbare Elemente für ein Set immer besser sind. Es ist unsere Philosophie bei Marvel, dass im Idealfall hundert Prozent auf der Leinwand echt sind und alles danach ein unvermeidlicher Kompromiss ist. Und jede Verbindung von physischen und digitalen Effekten muss nahtlos sein.“

Für den Dreh der außerirdischen Attacke auf New York und die Avengers bereiteten Special Effects Supervisor Dan Sudick und sein Team eine präzise wie beispiellose Dramaturgie an Pyrotechnik vor. Entlang der Straße gehen 28 Explosionen hoch, bei denen allein 50 Autos zerstört oder durch Druckwellen in die Luft getragen wurden – Fachkräfte differenzieren fein zwischen „canon cars“, „flipper cars“ und „pyro cars“.

„Dan Sudick ist unser Goldstandard für Spezialeffekte“, sagt James Chinlund, „und hat seit ,Iron Man‘ immer für ebenso spektakuläre wie absolut sichere Sequenzen gesorgt.“ Gedreht wurde die Mutter aller Avengers-Schlachten am Montag, den 15. August nahezu reibungslos. Und obwohl Cleveland tatsächlicher Schauplatz war, fiel das Ergebnis so real aus, dass die „New York Post“ anderntags mit einem Foto und der Headline „Rette uns, Thor!“, titelte.

„Es war ein ziemlich aufregender Tag“, sagt Joss Whedon, „mit 15 Kameras und unzähligen Explosionen. Wirklich eine Orgie der Destruktion. Normalerweise mache ich so etwas nicht, aber durch die Avengers-Charaktere haben wir auch viel Menschlichkeit ins Herz des Chaos tragen können. Es ist also nicht alles Spektakel – aber mein Gott, was für ein Spektakel dieser Tag doch war!“

So entstand der grüne Koloss

Hinsichtlich der Verwandlung Bruce Banners in den gewaltigen Hulk wählten die Macher von „The Avengers““ einen völlig neuen Weg. Noch bei den jüngsten Inkarnationen der Figur mit Eric Bana oder Edward Norton in den Hauptrollen handelte es sich beim Dreh immer um zwei getrennte Einheiten: Erst ein Schauspieler als Bruce Banner, dann ein komplett computeranimierter Hulk ohne jede physische Verbindung zum Star.

„Wir wollten einen Hulk schaffen, wie es ihn noch nie gegeben hat“, formuliert Joss Whedon, „und ließen Mark Ruffalo erstmals beide Seiten der Figur spielen. Möglich ist das erst seit der Entwicklung der Motion Capture Technologie. Während sich also Bruce Banner und der Hulk bisher weder in den Comics noch in den Verfilmungen ähnelten, fließt bei uns auch Ruffalos Performance in die Figur ein. Etwa die Struktur der Gesichtsknochen, die Konturen der Augen und des Mundes. Wir wollten bei der Verwandlung die bisherige Lücke zwischen Real- und CGI-Charakter schließen. Stattdessen werden die Leute angesichts des Hulk sagen: ,Oh Gott, das ist Bruce Banner – er ist nur sehr grün und sehr wütend.“

„In früheren Filmen“, ergänzt Mark Ruffalo, „wuchs der Hulk auch drastisch an, doch in „The Avengers“ bleibt er deutlich unter drei Meter Körpergröße. Nur sein Ärger wächst ins Unermessliche, nicht aber die Statur.“ Kreiert wurde der Hulk bei den Spezialisten von Industrial Light & Magic (ILM), die eng mit Janek Sirrs arbeiteten, dem Visual Effects Supervisor auf Seiten der Avengers-Crew.

„Es gibt eine Million Abläufe in Marks Performance“, sagt Regisseur Joss Whedon, „durch die der CGI-Hulk beeinflusst ist, doch am Ende des Tages sollte sich die Figur vor allem wie ein Wesen aus Fleisch und Blut anfühlen, wenn auch mit deutlich mehr dramatischer Ausdruckskraft als ein normaler Mensch.“

„Es war interessant zu sehen“, so Ruffalo, „wie nah meine Arbeit als Hulk nachher an den Traditionen des Theaters lag. Es ist die älteste Form der Schauspielerei, auf eine leere Bühne zu gehen und die eigene Vorstellungskraft zu bemühen, um das Publikum damit in den Bann zu ziehen. Im Fall von „The Avengers“ war diese Bühne ein Warenhaus mit Tonnen von Kameras und ILM-Leuten, die mich in einen Motion-Capture-Anzug steckten.“

Ruffalo fährt fort: „Dazu sieht man sich selbst auf einem Monitor – bereits umgewandelt als Hulk, der dir zurück ins Gesicht schaut und jede deiner Bewegungen macht. Auf diese Art die Figur zu entwickeln war bemerkenswert, ein zugleich traditioneller und hochmoderner Prozess.“

„Marvel’s The Avengers“ erscheint am 13. September auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray im Verleih von Walt Disney Home Entertainment.

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