Da muss man hinsehen
Fantasy Filmfest 2012: Drei ganz besondere Schmankerl

Das Fantasy Filmfest 2012 ist fast vorbei und wir haben uns in einige der Filme gewagt, über die wir an dieser Stelle berichten werden.


Seit 1987 entwickelt sich das Fantasy Filmfest langsam aber sicher zu einer Institution, die Anhängern von alternativen Kinofilmen abseits des Mainstreams eine Plattform bietet. Besonders Länder, deren Filmindustrie es außerhalb der Grenzen schwer hat, können dort regelmäßig beweisen, wie viel Kreativität in ihnen schlummert. Von den rund 70 verschiedenen Filmen konzentrieren wir uns nun auf drei ganz besondere Titel, was aber nicht heißen soll, dass sich die anderen Filme nicht ebenfalls lohnen würden!

Ace Attorney

Den Anfang macht ein Film, der seltsam bekannt vorkommt. Da verhaspelt sich ein junger Anwalt mit eigenwilliger Frisur ständig bei seiner Stellungnahme und schreit zwischendurch ein beherztes „Einspruch!“ durch den Raum. Wer jetzt an Capcoms erfolgreiche Spielereihe „Phoenix Wright“ denkt, der liegt goldrichtig! Es handelt sich bei dem Film tatsächlich um eine Verfilmung des ersten Teils der Serie unter der Regie von Meister Takashi Miike. Wer hier glaubt, einen Schocker im Stile von „Audition“ oder „Ichi the Killer“ präsentiert zu bekommen, liegt allerdings daneben. Miikes Regiearbeiten sind keinem bestimmten Genre verplichtet, wie er in der eher komödiantisch angehauchten Verfilmung von „Ace Attorney“ beweist. Alle Figuren sehen ihren digitalen Vorbildern äußerst ähnlich – also komplett verrückt. Es ist erstaunlich, wie nah sich der Film an die Vorlage hält und damit eine, wenn nicht sogar DIE beste, Videospielverfilmung bisher ist. Der Plot folgt den vier Fällen des Spiels, die Schauspieler sehen ihren Vorbildern erschreckend ähnlich und sämtliche Catchphrases haben ihren Weg in die Umsetzung gefunden. Das sich Miike und sein Team darüber im Klaren sind, dass das alles ziemlich übertrieben gemeint ist, beherzigen sie in den gesamten 2,5 Stunden Laufzeit und bringen Komik in die Geschichte, ohne dabei komplett lächerlich zu wirken. Im Falle von „Phoenix Wright“ ein Kunststück, das geglückt ist – klasse!

The Suicide Shop

An diesem Film hätte Tim Burton seine helle Freude. Hier kurz die Ausgangssituation: In einer namenlosen Stadt ist es unter Strafe gestellt, sich in der Öffentlichkeit umzubringen. Doch das ist gar nicht so einfach, ist die Gesellschaft doch höchst depressiv und der Freitod so ziemlich das Einzige, das für die Stadtbewohner noch einen Sinn macht. Und hier kommt Familie Tuvache ins Spiel. Diese führt nämlich seit mehreren Generationen einen Laden, der sich auf Equipment für Selbstmörder spezialisiert hat. Egal ob Gift, Strick oder Samuraischwert, jeder Kunde wird kompetent beraten und kam bisher noch nie zurück, um sich zu beschweren. Als die vierköpfige Familie Zuwachs bekommt, scheint es aber zu Komplikationen im makaberen Geschäft zu kommen. Das jüngste Kind ist nämlich ein Junge mit unerschöpflichem Optimismus. Schon als Baby lacht er praktisch immer und lässt den einen oder anderen Kunden an seiner Entschlossenheit zum Selbstmord zweifeln. Als Alan allerdings älter wird, steuert er auf einen großen Krach mit seiner Familie zu, denn er versteht nicht, warum seine Eltern und Geschwister sich die Verzweiflung der Stadtbewohner zu Nutze machen. „The Suicide Shop“ ist eine fantastisch animierte schwarze Musical-Komödie, die der erste Animationsfilm des Franzosen Patrice Leconte ist.

Doomsday Book

Drei Kurzfilmeüber das Ende der Welt. Um etwas anderes geht es in „Doomsday Book“ der Koreaner Jee-woon Kim und Phil-sung Kim nicht. Allerdings explodiert oder verschwindet die Erde nicht einfach, sondern verabschiedet sich auf drei völlig unterschiedliche, teils bizarre, teils philosophische, Arten. Den Anfang macht der noch konventionellste Film. In „Brave New World“ schlägt das Gammelfleisch zurück und versucht ein Blind Date zwischen zwei schüchternen Koreanern durch eine Zombie-Epidemie auszubremsen. Was hier geboten wird ist alles andere als neu, aber trotz Ekelszenen leicht bekömmlich inszeniert und als Startfilm ganz unterhaltsam. In eine ganz andere Richtung geht „A Heavenly Creature“, in dem sich ein Roboter durch eine Inspizierung seines Selbst für einen Buddha hält. Ein Computerfachmann soll nun herausfinden, ob die Maschine defekt ist oder tatsächlich so etwas wie ein höheres Bewusstsein entwickelt hat. Die Frage an sich erscheint auf den ersten Blick lächerlich, doch wird der Eintritt ins Nirwana nicht dadurch definiert, dass ein Individuum keinen Zwängen unterliegt und keine Bedürfnisse hat? Im letzten der drei Filme wird es komisch und bizarr. Ein kleines Mädchen zerstört versehentlich eine Billardkugel ihres Vaters und bestellt schnell im Internet einen Ersatz. Zwei Jahre später rast ein Meteor unaufhaltsam auf die Erde zu, der sich bei näherer Betrachtung als riesige Billardkugel entpuppt und in den die Initialen des Mädchens eingeritzt wurden. Was zur Hölle hat sie damals nur bestellt?

Ähnliche Artikel
 1 2 3 4
The Lego Movie: Klotziger Spaß mit Batman, den Turtles und Co.
Da bekommt die Bezeichnung „Blockbuster“ eine völlig…

Halo 4 - Forward unto Dawn: Commander in der Mache
Wer immer wissen wollte, wie die Karriere eines…

Highlander: Ryan Reynolds wird doch nicht unsterblich
Eigentlich klang das schon spannend: Ein…

Schattenkrieger - The Shadow Cabal: Fantasy-Kitsch für Fans
Ein Film, der auf einem nicht existierenden Computerspiel…

Cirque du Solei - Traumwelten: Magische Reise voller Fantasy
Manchmal gruselig, gelegentlich kitschig, aber immer…

Breaking Bad: Die halbe Staffel 5 auf DVD und Blu-ray
Walter White macht keine halben Sachen, trotzdem passiert…