Von wegen Kinderfilm
Hugo: Martin Scorseses ungewöhnlichster Film

„Hugo“ ist eine Überraschung, die praktisch aus dem Nichts im Kino erschienen ist. Was die Geschichte des Waisenjungen so besonders macht, können Fans von unerwartetem Filmvergnügen bald selbst zu Hause herausfinden.


Normalerweise widmet sich Martin Scorsese bevorzugt dem Mafia-Genre oder ziemlich heruntergekommenen Typen. Weiter als mit der Buchadaption von „Hugo Cabret“ könnte er sich aber gar nicht von seinen klassischen Helden entfernen, denn das fünffach mit dem Oscar ausgezeichnete Abenteuer ist eine erst einmal seltsame Mischung aus Kinderfilm, Amélie, Drama und Biografie, die sich gar nicht so einfach einordnen lässt.

Mikrokosmos Bahnhof

Hugo Cabret (Asa Butterfield) lebt in der verschlungenen Welt der Bahnhofsuhren. Seine Aufgabe ist es, täglich die vielen Zeitanzeiger des Pariser Gare Montparnasse zu warten. Dies tut er allerdings nicht, damit kein Zugreisender zu spät einsteigt, sondern weil es ansonsten auffliegen würde, dass Hugo ein Waise ist. Nachdem er seine Eltern verloren hat, wurde der Junge von seinem ständig betrunkenen Onkel Claude (Ray Winstone) mehr oder weniger adoptiert. Nachdem Claude verschwunden ist, muss Hugo für sich selbst sorgen und ständig vor dem bahnhofseigenen Stationsaufseher (Sascha Baron Cohen) fliehen, der ihn nur zu gerne in ein Waisenhaus stecken würde. Doch Hugo hat einen guten Grund, sich durch den Bahnhof zu schleichen: Das Einzige, was von Hugos altem Leben übrig geblieben ist, ist eine kindsgroße Figur, die ein komplexes Getriebe beinhaltet. Wenn Hugo diese reparieren kann, so glaubt er, dass der Automaton eine Nachricht von seinem verstorbenen Vater (Jude Law) aufschreiben wird. Da die Reparatur viele unterschiedliche Zahnräder erfordert, bestiehlt Hugo regelmäßig den Inhaber des bahnhöfischen Spielzeugladens (Ben Kingsley). Eines Tages wird er dabei erwischt und muss Papa Georges Rede und Antwort stehen. Doch warum ist der Spielzeugmacher so schockiert als er die Aufzeichnungen von Hugos Vater sieht? Und was hat seine Adoptivtochter Isabelle (Chloe Grace Moretz) damit zu tun?

Der Schein trügt

Das „Hugo“ genau wie alle anderen Filme von Martin Scorsese über eine hervorragende Technik und grundsolides Handwerk verfügt, sollte eigentlich klar sein. So durfte u.a. die in Frankfurt ansässige Firma Pixmondo den Oscar 2012 für die besten Spezialeffekte  mit nach Hause nehmen. Womit der Film aber wirklich überrascht ist die Geschichte. Anfangs wirkt Hugos Leben wie ein auf Kinder ausgerichtetes Abenteuer im Stil von „Die fabelhafte Welt der Amélie“, doch wird „Hugo“ in der Mitte zur Verfilmung des Lebens einer der wichtigsten Persönlichkeiten des Kinos überhaupt. Ab diesem Punkt lässt sich leicht erkennen, warum Scorsese diesen Film gemacht hat. „Hugo“ ist eine Liebeserklärung an das Kino, seine Geburt und an die großen Meister, die das Medium erst zu dem gemacht haben, was es heute ist. Erzählt wird diese Geschichte mit durch die Bank hervorragenden Schauspielern und in stark stilisierten Bildern, die einfach auf einem Großbildfernseher gesehen werden müssen. „Hugo“ ist trotz erstem Eindruck kein reiner Kinderfilm. Er ist für jeden, der Filme mag.

„Hugo“ ist ab dem 16. August auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray erhältlich.

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