Tödlicher Nebenjob
Puella Magi Madoka Magica: Abgefahrener Name, düsterer Inhalt

Ein bunter Anime voller Mädchen? Nein, danke. Oder doch? Was aussieht wie die hundertste Fortsetzung eines ausgelatschten Themas entpuppt sich schnell als komplettes Gegenteil.


Animes, in denen Kinder plötzlich zu mächtigen Helden werden, gibt es wie Sand am Meer. Der Ablauf ist dabei immer gleich: Mit einem niedlichen Maskottchen ziehen sich die Auserwählten irre Kostüme an und besiegen mit Liebe und Verständnis alles Böse. „Puella Magi Madoka Magica“ schlägt auf den ersten Blick in genau dieselbe Kerbe, dreht sich aber ziemlich schnell um 180 Grad und schlägt den Mädels mit der Faust ins Gesicht.

Der Weg zur Heldin

Alles startet so, wie es klischeehafter nicht sein könnte: Madoka ist ein junges Mädchen, das ein bisher komplett unspektakuläres Leben hatte. Sie versteht sich gut mit ihren Eltern, lernt und geht mit ihren beiden Freundinnen nach der Schule Kuchen essen. Natürlich ist der unbeschwerte Tagesablauf zum Scheitern verurteilt. Der Auslöser ist die neue Mitschülerin Homura, die sich Madoka gegenüber ziemlich kühl verhält und legt ihr nur einen Rat nahe: Wenn sie mit ihrem Leben zufrieden ist, dann sollte sie es nicht ändern. Die Konsequenz dieses Rats kann Madoka zu diesem Zeitpunkt gar nicht erahnen, doch schon bald findet sie sich zusammen mit ihrer Freundin Sayaka mitten in einer seltsamen Welt wieder. Dort werden sie von einem weiteren Mädchen gerettet, das über Kräfte á la Sailor Moon verfügt. Gleichzeitig verfolgt Homura ein seltsames Wesen, das bei Madoka Schutz sucht und sich als Kyubey vorstellt. Dieses Maskottchen verleiht willigen Mädchen die Kraft, zu einem Magical Girl zu werden. Der Deal ist simpel: Ein Mädchen bekommt einen Wunsch erfüllt und muss dafür gegen Hexen kämpfen, die die Menschheit bedrohen. Klingt einfach, bringt aber eine ganze Menge Kleingedrucktes mit sich, von dem nicht jede Kandidatin etwas ahnt…

Unerwartet abgründig

Auf den ersten Blick schreit dieser Anime „Nur für Kinder!“ aus jedem einzelnen Frame. Doch schon kurz nach der ersten Folge zeigt sich, dass es hier nicht um niedliche Mädchen geht, die mit Gesang und Tanz die Welt retten wollen. „Puella Magi Madoka Magica“ ist nämlich die komplette Dekonstruktion von „Sailor Moon“ und allen anderen Serien, in denen Grundschülerinnen mal eben so zur Retterin der Galaxie werden. Madoka und ihre Freunde sind keine entschlossene Kämpferinnen, sondern ängstliche Wracks, die gar nicht begreifen können, was in ihrer Welt vor sich geht. Die düstere Geschichte wird von einem hervorragenden Artdesign und einem eindringlichen Soundtrack von Yuki Kajiura unterstützt. Die insgesamt zwölf Folgen vergehen wie im Flug und haben einige verstörende Szenen im Angebot. Relativ früh fährt „Madoka Magica“ seine Krallen aus und zeigt, dass kleine Mädchen nicht immun gegen Verletzungen und sogar den Tod sind. Die Serie nutzt diese Elemente aber nicht, um ins Torture-Porn-Genre abzurutschen, sondern weiß sehr gut mit ihnen umzugehen, so dass der dramatische Effekt nicht ausbleibt. Nicht vom kindischen ersten Eindruck abschrecken lassen, „Puella Magi Madoka Magica“ hat es faustdick hinter den Ohren und ist eine der besten Anime-Produktionen von 2011.

„Puella Magi Madoka Magica“ ist bereits komplett auf drei DVDs erhältlich.

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