'Chernobyl Diaries' im Kino
Der Uri mit dem Geigerzähler

Der Reaktor von Tschernobyl zählt mittlerweile zu den Sehenswürdigkeiten in der Ukraine. Das ist schon gruselig genug, aber der Horrorfilm „Chernobyl Diaries“ zeigt jetzt auch, was mit Touristen dort geschehen kann.

Ein Angstelement an atomarer Verstrahlung ist ihre Unsichtbarkeit. Das Todbringende kommt für den Menschen nicht wahrnehmbar. Daraus einen Horrorfilm zu basteln, liegt auf der Hand. Oren Peli, dem „Paranormal Activity“ zu verdanken ist, griff jetzt die Idee auf und schrieb das Drehbuch zu „Chernobyl Diaries“. Herauskam ein Low-Budget-Film, den man nicht unbedingt sehen muss, aber durchaus anschauen kann.

Auf einem Urlaubstrip durch Europa trifft der Amerikaner Chris seinen Bruder Paul in Kiew. Mit dabei seine Freundin Natalie, der er in Moskau einen Heiratsantrag machen will, und deren Freundin Amanda. Aber bevor sie gemeinsam in die russische Hauptstadt fahren, überrascht Paul die Gruppe mit einer besonderen Ausflug. Bei „Uris Extreme Tours“ bucht er eine Besichtigung der Stadt Pripyat, die 1986 über Nacht evakuiert werden musste. Gleich daneben explodierte das sowjetische Atomkraftwerk Tschernobyl und verstrahlte mit dem Ausmaß von mehreren hundert Atombomben die Umgebung. Bis heute ist die Stadt wegen der Kontamination unbewohnbar, eine Geisterstadt.

Die jungen Amerikaner gelangen dennoch unter der Führung von Uri mit Geigerzähler – „Radiation level is good“ – in das Sperrgebiet. Zuerst geht der Wagen kaputt, der sie abends wieder aus dem Gebiet bringen soll. Mitten in der Nacht verschwindet auch noch Guide Uri. Sie bleiben allein im Dunklen zurück, mit vagabundierenden Hunderudeln, hungrigen Bären und Fischen, die gern ein paar scharfe Zähne im strahlenverseuchten Wasser aufblitzen lassen. Das alles wäre ja noch bewältigbar, wenn nicht gelegentlich merkwürdige Schatten durch das Bild flitzen würden. Und schon bald ist die höher werdende Strahlung das geringste Problem der mittlerweile arg in Mitleidenschaft gezogenen Reisegruppe. Mit dem Heiratsantrag wird es wohl nichts mehr werden.

„Chernobyl Diaries“ ist ein solider Horrorfilm, der die Erwartungen brav erfüllt, dafür aber auch keine Überraschung bietet. Die Spannungsbögen verlaufen klassisch wellenförmig, damit die Adrenalinausschüttung zwischendurch auch pausieren darf. Nur am Ende, wenn die merkwürdigen Schatten immer mehr ans Licht kommen, wünscht man sich, sie wären im Dunkel geblieben. Aber nicht aus Angst, sondern weil das im eigenen Kopf erzeugte Bild von den Monstern um Klassen gruseliger ist, als die tatsächlich gezeigten Low-Budget-Zombies.

Strahlen-Schocker:

„Chernobyl Diaries“
(USA 2012)
Regie: Bradley Parker
mit Devin Kelley, Jesse McCartney, Jonathan Sadowski, Olivia Dudley, Ingrid Bolsø Berdal, Dimitri Diatchenko u.v.m.

Kinostart: 21. Juni 2012

www.chernobyldiaries.com

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