Pseudo-Grusel auf Blu-ray
Wrong Turn 4: Kannibalischer Mist

Es gibt Horrorfilme, die brauchen keine Fortsetzung. Sie kommen aber trotzdem, um noch den letzten Dollar beziehungsweise Euro aus den verbliebenen Fans zu pressen. „Wrong Turn“ war 2003 noch ein stimmiger und überraschend kranker Grusel-Streifen, der auch gut ohne Sequels ausgekommen wäre. War „Wrong Turn 2“ 2007 noch erträglich, begann Regisseur Declan O’Brien zwei Jahre darauf, das Franchise zu begraben – mit Teil 3. Und mit „Wrong Turn 4: Bloody Beginnings“ hat er ein Werk erschaffen, das niemand mehr braucht. Jetzt auf Blu-ray und DVD.

Hübsch sind diese Inszest-Kannibalen wirklich nicht. (Foto: Constantin Film)

Hübsch sind diese Inszest-Kannibalen wirklich nicht. (Foto: Constantin Film)

Die allseits bekannten Inzest-Kannibalen der Vorgänger feiern zum wiederholten Male ihr Comeback. Jetzt brechen ein paar der kranken Typen aus einem Sanatorium aus, töten sämtliche Ärzte sowie Pfleger und lassen das große Anwesen in Vergessenheit geraten. Polizei gab es wohl Ende der 1980er Jahre noch nicht. Jedenfalls kommt ein paar Jahre später eine Gruppe jugendlicher Stereotypen in die Klinik. Einem Schneesturm ist es zu verdanken, dass sie dort übernachten wollen. Sie wundern sich zwar über das verlassene Gebäude, denken aber nicht weiter nach, lesen alte Akten über entstellte Menschen und feien eine wilde Party mit Drogen und etwas Sex. Als die ersten Teenies verschwinden, wird der Rest misstrauisch. Doch statt ernsthaft Gefühle zu zeigen und den Ort des Grauens schnellstmöglich zu  verlassen, lassen sie sich von den kranken Menschenfressern nach und nach verspeisen. Ein gutes Ende? Ach, was…

Bescheuert

Guten Appetit. (Foto: Constantin Film)

Guten Appetit. (Foto: Constantin Film)

Es ist schon erstaunlich, dass es Declan O’Brien schafft, wirklich alle ausgelutschten 08/15-Klischees sämtlicher Horrorfilm-Sequels in 89 Minuten unterzubringen. Statt ein wenig Einfallsreichtum oder Cleverness zu beweisen, schickt der Regisseur und Drehbuchautoren sämtliche Protagonisten in allseits bekannte Fallen oder lässt sie wie dumme Marionetten die dämlichsten Aktionen durchführen. Ein Jugendlicher, der zwei Mädels erschreckt, um kurz darauf das Zeitliche zu segnen? Wie oft kam das schon in anderen Filmen vor? Davon abgesehen sind die Leute strohdumm und spiegeln wohl den US-amerikanischen Durchschnitt wider. Da gar keine emotionale Bindung zu den Akteuren aufgebaut wird, ist man auch nicht traurig darüber, dass sie wie „Zehn kleine Negerlein“ nacheinander in die ewigen Jagdgründe geschickt werden. Oben drauf gibt es widerliche, explizite Gewaltdarstellungen, die sich dazu noch wiederholen. Fast die Hälfte aller Opfer stirbt durch Stacheldraht. Und die andere Hälfte wird aufgegessen. So ungefähr zumindest.

Dramaturgie? Überraschende Wendungen? Interessante Hintergründe, die das „Wrong Turn“-Universum weiterspinnen? Nichts davon hat Teil 4 zu bieten.  Letztlich handelt es sich um ein abstoßendes Machwerk mit jeder Menge Blut und abartigen Fressszenen ohne Sinn und Verstand. Nicht einmal von einem Trash-Faktor kann die Rede sein, dafür wirkt das Gebotene zu sehr auf Hochglanz poliert, zu ernsthaft und zu professionell. Viele andere Slasher-Filme besitzen deutlich mehr Unterhaltungswert, eben aufgrund des augenzwinkernden Humors oder den absichtlichen Übertreibungen. Bei „Wrong Turn 4“ versuchte es O’Brien  mit einer möglichst realistischen Darstellung des Mordens. Neue Akzente? Pustekuchen! Erwähnenswert wäre höchstens das Kannibalen-Fondue, das – wie viele andere Szenen auch – unnötig in die Länge gezogen wird und dadurch schnell langweilt. Und das, obwohl es ekelhafter kaum sein kann.

Auf Blu-ray

Im Gegensatz zu den inhaltlichen Mängeln überzeugt die Blu-ray. Die Bildqualität in HD ist hervorragend, die schönen Kontraste werden vor allem bei den Schnee-Sequenzen deutlich. Toll sind auch die stimmungsvollen und sehr detaillierten Aufnahmen in der Dunkelheit anzusehen. Der schaurige, aber gelungene Ton liegt in Deutsch und Englisch in DTS-HD 5.1 vor. Und auch über die Boni kann nicht geklagt werden: 18 Minuten an „Deleted Scenes“ fanden den Weg auf die Disk, genauso ein Making-Of sowie diverse Featurette-Videos über die Kannibalen oder die Arbeiten des Regisseurs. Zirka 45 Minuten abseits des Films wird man hier mit Infos versorgt.

Bitte! BITTE! Keinen fünften Teil mehr! „Wrong Turn 4“ zeigt, dass dieses Kannibalen-Grauen ein Ende haben muss. Diese Episode ist inhaltlich eine Katastrophe, schauspielerische Unzulänglichkeiten werden durch billigste Schock-Effekte kaschiert. Und wahrlich alle Situationen hat man in ähnlicher und identischer Form schon unzählige Male besser gesehen. Tipp: Nicht einmal „Wrong Turn“-Fans müssen zugreifen. Die sind nach wie vor mit den ersten beiden Teilen besser bedient. Alles danach, speziell Teil 4 kann man getrost ignorieren. Da hilft auch die gute Qualität der Blu-ray nichts.

“Wrong Turn 4: Bloody Beginnings” von Constantin Film ist ab dem 17. Januar 2012 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

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